#13 - Viele Fragen in Urmersbach

Shownotes

Es ist die Geschichte eines unvorstellbaren Falls, der im Mai 2025 die idyllische Eifelgemeinde Urmersbach erschütterte. Ein dreijähriges Mädchen stirbt nach dem Besuch in der Garage eines vertrauten Nachbarn. Eine Folge über den absoluten Missbrauch von Vertrauen, das juristische Ende eines Falls ohne Urteil und den Weg einer Familie zwischen tiefer Trauer und neuer Hoffnung.

Transkript anzeigen

00:00:00: Prolog, ein Donnerstag im Mai.

00:00:06: Der achte Mai, zwei Tausend fünfundzwanzig.

00:00:10: Ein Donnerstag Nachmittag Frühling in der Eifel wie er sein soll.

00:00:15: Die Bäume stehen in vollem Laub die Luft riecht nach warmem Gras und frischer Erde.

00:00:21: Irgendwo bellt ein Hund, irgendwo läuft ein Rasenmäher.

00:00:25: Über den Dächern des kleinen Dorfes Urmersbach Im Landkreis Kochemzell liegt die Stille, die nur kleine Orte kennen.

00:00:33: Menschen leben hier ruhig – man kennt einander seit Jahrzehnten!

00:00:37: Man grüßt sich auf der Straße, man leit' sich Werkzeug aus, man vertraut einander weil man sich keine andere Wahl lässt wenn man so nah zusammen

00:00:46: wohnt.".

00:00:49: An diesem Nachmittag hält sich ein dreijähriges Mädchen in einer Garage auf wenige Meter von ihrer Haustür entfernt mit Wissen ihrer Familie bei einem Nachbarn den man kennt.

00:01:02: Was dann in den folgenden Minuten geschieht, werden wir nie mit letzter Sicherheit wissen.

00:01:06: Was wir wissen – Emily kommt nicht zurück!

00:01:08: Zwei Rettungshubschrauber landen über Urmersbach.

00:01:11: Ein kleines Mädchen wird in ein Krankenhaus geflogen und der Nachbar, der als einziger weiß was passiert ist geht zurück in sein Haus und stirbt dort durch eigene Hand noch bevor die Polizei mit ihm sprechen kann.

00:01:25: Was an diesem Frühlingstag in der Eifel beginnt, ist eine der bedrückendsten Kriminalgeschichten, die diese stille Region je erlebt hat.

00:01:33: Eine Geschichte über ein Kind, das starb.

00:01:36: Über einen Mann der die Antworten mit sich nahm.

00:01:39: Über eine Familie, die seitdem mit einer Frage lebt, die niemand beantworten kann.

00:01:44: Über ein Dorf, dass sich verändert hat und über ein Rechtssystem, das getan hat was es tun konnte – und trotzdem nicht ausreichte.

00:01:56: Willkommen bei Eiffel Mord!

00:01:57: Ich bin Tatjana und heute nehme ich euch mit in einen Fall, der alle Fragen offen lässt, die er aufwirft.

00:02:05: Kapitel eins, der Ort an dem es passierte Urmarsbach.

00:02:13: Wahrscheinlich haben die meisten von euch diesen Namen noch nie gehört.

00:02:16: Das ist eine kleine Gemeinde im Landkreis Kochem Zell Im südlichen Rheinland-Pfalz nicht weit von der Mosel entfernt.

00:02:23: Wenn man dort durchfährt sieht man alte Steinhäuser gepflegte Vorgärten Eine Kirche Weinberge an den Hängen bewaldete Hügel im Hintergrund Eine Landschaft, die in Postkarten genauso aussieht wie in der Wirklichkeit.

00:02:38: Der Landkreis Kochem Zell hat rund sechzigtausend Einwohner, verteilt auf eine Fläche die größer wirkt als Zahlen es beschreiben können.

00:02:46: Das ist dünn besiedelt – das bedeutet lange Wege, wenige Angebote ein soziales Geflecht, das auf Nähe angewiesen ist.

00:02:55: Menschen kennen hier ihre Nachbarn nicht nur dem Namen nach.

00:02:58: sie kennen ihre Gewohnheiten, ihre Autos, ihre Arbeitszeiten.

00:03:03: In einer Großstadt ist der Mensch drei Türen weiter ein Unbekannter.

00:03:07: In Urmarsbach ist er Teil des Alltags.

00:03:12: Das ist lange eine Stärke gewesen, in solchen Gemeinschaften hilft man einander – man passt aufeinander auf!

00:03:18: Man lässt die Kinder draußen spielen weil man weiß dass irgendein Nachbar sie im Blick hat.

00:03:23: Das Vertrauen ist nicht naiv.

00:03:24: es ist gewachsen aus Jahren des Zusammenlebens, aus hundert kleinen Begegnungen die einen Bild ergeben.

00:03:32: Dieses Bild wurde am achten Mai twenty-fünf und zwanzig zerstört.

00:03:38: Magnus K war achtundvierzig oder neunundvierzig Jahre alt.

00:03:42: Die Quellen variieren leicht.

00:03:44: Er wohnte direkt neben der Familie in unmittelbarer Nachbarschaft, was man über ihn weiß ist wenig.

00:03:50: Er lebte allein.

00:03:51: Er nutzte seine Garage als Fitnessraum und trainierte dort regelmäßig mit Handeln.

00:03:56: Ein gewöhnliches Bild – ein Mann mit einer Gewohnheit!

00:03:59: Nichts das aus dem Rahmen fällt, nichts das Alarm

00:04:02: auslöst.".

00:04:12: Und in kleinen Orten bedeutet das, er war Teil des vertrauten Rahmens, in dem das Leben stattfand.

00:04:20: Wer in einem Dorf lebt kennt seine Nachbarn – das war lange eine Stärke!

00:04:24: In diesem Fall wurde es zur Falle.

00:04:35: Bevor wir über das Sprechen was passiert ist möchte ich über das sprechen wer Emily war.

00:04:42: Sie war drei Jahre alt.

00:04:44: Das ist ein Alter in dem die Welt noch vollständig aus Staunen besteht In dem jede Tür eine Einladung ist, jeder Raum eine Entdeckung.

00:04:52: Jeder Erwachsene eine mögliche Quelle von Aufmerksamkeit oder Spiel.

00:04:56: Dreijährige laufen nicht auf Gefahr zu – sie laufen auf das Interessante zu.

00:05:01: Auf das wo etwas passiert!

00:05:03: Auf das Geräusch, die Bewegungen und den Menschen der gerade etwas tut.

00:05:11: Emily lebte mit ihrer Mutter Jenny in Urmersbach.

00:05:14: Jenny B war siebenundzwanzig Jahre alt.

00:05:17: Jung Mit einem Kind, das sie liebte, einem Leben, dass noch viel vor sich hatte.

00:05:23: Torbenswee, Jennys Lebensgefährte, thirty-fünf Jahre alt war nicht Emily's biologischer Vater aber er war der Mann, der mit ihr aufgestanden ist, damit ihr gefrühstückt hat, der abends vielleicht die gute Nachtgeschichte erzählt hat.

00:05:37: Er liebete sie wie er selbst sagt, wie eine eigene Tochter.

00:05:43: Emily hatte einen Wunsch den Torben später in Interviews erwähnen wird Sie wollte immer ein Geschwisterchen.

00:05:51: Ein kleines Kind, das sich jemanden wünscht mit dem es spielen kann.

00:05:55: Ein Wunsch der so unschuldig ist wie Wünsche nur sein können!

00:06:01: Am achten Mai, zwei tausend fünfundzwanzig war Emily drei Jahre alt und neugierig – neugirig, wie dreijährige Mädchen immer neu gierig sind.

00:06:11: Kapitel Drei Was in der Garage geschah.

00:06:18: Um zu verstehen was passierte muss man verstehen wie es anfing.

00:06:24: Emily begab sich an diesem Donnerstag Nachmittag in die Garage des Nachbarn.

00:06:29: Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte später, in ihrer Kommunikation.

00:06:33: dies geschah mit Wissen und Einverständnis des Vaters.

00:06:37: Das Kind war nicht heimlich verschwunden, nicht unbemerkt weggelaufen.

00:06:40: Es war dort weil die Familie dem Nachbaren vertraute Weil das eine normale Situation schien, weil Magnus K ein bekanntes Gesicht war kein Fremder.

00:06:52: Magnus K. trainierte in diesem Moment mit Handeln schwere Eisengewichte, in einem kleinen geschlossenen Raum keine Fenster zur Straße kein Sichtbezug nach außen.

00:07:04: Was dann geschah wissen wir nicht.

00:07:06: das ist die härteste Wahrheit dieses Fals und ich sage sie klar weil Sie alles andere bedingt.

00:07:12: Die einzige Person die weiß was in dieser Garage passierte starb noch am selben Abend.

00:07:17: es gibt keinen Zeugen kein Geständnis kein Protokoll Keine Aussage, die aus dem Mund des einzigen stammt, der es wusste.

00:07:27: Was wir wissen kommt aus der Gerichtsmedizin.

00:07:30: Emily erlitt schwere Kopfverletzungen durch stumpfe Gewalt.

00:07:33: Das ist ein technischer Begriff, der eine sehr konkrete Realität beschreibt.

00:07:38: Ein harter Gegenstand traf auf den Kopf eines kleinen Kindes mit einer Kraft, die tödlich war.

00:07:44: Laut Medienberichten wurde eine Handel als mögliches Tatwerkzeug in Betracht gezogen – ob sie viel oder geworfen wurde Ob sie geschwungen wurde, das wissen wir nicht.

00:07:56: Die Verletzungen waren so schwer dass sofortige Reanimationsmaßnahmen notwendig wurden.

00:08:02: Wer den Notruf abgesetzt hat wann unter welchen Umständen Das ist in den öffentlichen Berichten nicht vollständig rekonstruierbar Was wir wissen.

00:08:10: zwei Rettungshubschrauber wurden alarmiert.

00:08:13: Für ein kleines Eifeldorf ist es ein außergewöhnliches Bild Zwei Hubschrober über den Dächern das Geräusch der Rotorblätter Dass die Nachmittagsstille zerreißt.

00:08:22: Die Nachbarn werden es gehört haben.

00:08:24: Sie werden ans Fenster gegangen

00:08:25: sein.".

00:08:28: Emily wurde in ein Krankenhaus geflogen, dort starb sie.

00:08:34: Während die Rettungskräfte um ihr Leben kämpften, verließ Magnus Kadi Garage.

00:08:38: Er ging zurück in seinen Wohnhaus – kein Notruf seinerseits?

00:08:42: Kein Wort an die Familie!

00:08:43: Keine Erklärungen.

00:08:44: nur der Weg von der Garage zur Haustür und eine geschlossene Tür.

00:08:50: Stumfe Gewalt?

00:08:51: Das sind zwei Wörter aus einem Obduktionsbericht.

00:08:54: Dahinter steckt das Ende eines dreijährigen Lebens.

00:08:59: Kapitel IV Der Mann, der die Antworten mitnahm.

00:09:07: Die Polizei wurde alarmiert.

00:09:09: Beamte rückten zum Haus von Magnus K. aus.

00:09:12: Das ist der Moment in dem Ermittlungen beginnen Wenn es noch möglich ist Fragen zu stellen Aussagen aufzunehmen Ein Bild zusammenzusetzen.

00:09:21: Die Beamten wollten mit ihm sprechen Verstehen was in der Garage geschehen war Vielleicht eine Erklärung bekommen Vielleicht jenen einzigen Satz hören, der alles klarer machen würde.

00:09:33: Sie kamen zu spät.

00:09:36: Magnus K. beging Suizid – noch bevor die Beamten das Gespräch mit ihm aufnehmen konnten.

00:09:43: Laut Presseberichten erhängte Er sich in seinem Wohnhaus.

00:09:46: Die Polizisten, die versuchten Kontakt herzustellen, fanden ihn.

00:09:52: Ich möchte kurz bei diesem Moment innehalten nicht wegen der Methode sondern wegen der Konsequenz.

00:09:58: Mit seinem Tod starb auch jede Möglichkeit, jemals zu wissen was in dieser Garage wirklich passiert ist.

00:10:04: Nicht juristisch nicht moralisch nicht menschlich.

00:10:08: Die Antwort ist weg für immer!

00:10:13: Was die Ermittlungen später ans Licht brachten, macht die Sache nicht einfacher.

00:10:35: Im Blut von Magnus K wurde ein hochkonzentrierter Drogenmix festgestellt.

00:10:40: Welche Substanzen in welcher Konzentration?

00:10:43: das wurde öffentlich nicht bekannt gegeben aber der Befund existiert.

00:10:47: er ist Teil der Akte und erwürft Fragen auf die niemand mehr beantworten kann.

00:10:52: War Magnus K. in einem zurechnungsfähigen Zustand?

00:10:56: Veränderte der Drogenkonsum seinen Bewusstseinszustand so, dass das was in der Garage geschah – in einem anderen Licht erscheint –?

00:11:04: hatte irgendjemand von diesem Konsum gewusst?

00:11:07: Hätte es Warnsignale gegeben die man hätte sehen

00:11:09: können?".

00:11:12: Auf keine dieser Fragen gibt es eine gesicherte Antwort.

00:11:18: Er ist gegangen ohne zu erklären Das ist das Grausamste, das er der Familie antun konnte.

00:11:23: Vielleicht schlimmer noch als die Tat selbst.

00:11:27: Kapitel V Die Ermittlungen, was die Staatsanwaltschaft herausfand und was nicht.

00:11:37: Die Staatsanwaltschaft Koblenz und die Kriminaldirektion Koblenze übernahmen den Fall.

00:11:42: Das sind die zuständigen Stellen für schwere Gewaltverbrechen in dieser Region Professionelle Behörden, die routiniert mit solchen Fällen umgehen.

00:11:51: Sie kamen nach Urmersbach sicherten Spuren in der Garage, befragten Zeugen aus der Nachbarschaft, ließen Gutachten erstellen, werteten digitale Daten aus.

00:12:03: Die Behörden kommunizierten früh und warnten ausdrücklich vor Spekulationen – das ist eine richtige Entscheidung gewesen wie sich herausstellen sollte, denn die Spekulationen kamen trotzdem aus dem Internet, aus sozialen Medien, aus der Unsicherheit heraus, die entsteht wenn Fakten fehlen.

00:12:24: Die Obduktion von Emily ergab das, was man medizinisch als schwere Kopfverletzung durch stumpfe Gewalt bezeichnet.

00:12:32: Eine rechtsmedizinische Zusatzbegutachtung wurde in Auftrag gegeben mit dem Ziel eine der zentralen Fragen zu beantworten.

00:12:39: Handelte es sich um einen Unfall oder um eine vorsätzliche Gewalthandlung?

00:12:45: Rechtsmediziner können aus Verletzungsmustern Rückschlüsse ziehen wo der Aufprall stattfand, mit welcher Kraft aus welchem Winkel und mit welchem möglichen Gegenstand.

00:12:55: Das ist Wissenschaft – präzise, methodisch, manchmal erschütternd in ihrer

00:13:00: Sachlichkeit.".

00:13:03: Das Ergebnis dieses Gutachtens wurde nie vollständig veröffentlicht.

00:13:07: Was die Reinzeitung später berichtete, ist der knappste und gleichzeitig treffendste Satz zu diesem Fall.

00:13:14: Die Tragödie blieb trotz Gutachten letztlich ungeklärt!

00:13:19: Im Juli, twenty-fünfundzwanzig, keine drei Monate nach Emelies Tod wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt.

00:13:26: Die rechtliche Grundlage dafür ist Paragraf zweihundertsechs A der Strafprozessordnung – Tod des Beschuldigten!

00:13:34: Ein Strafverfahren kann nur gegen Lebende geführt werden.

00:13:38: Mit dem Tod von Magnus K endete die Möglichkeit einer strafrechtlichen Aufarbeitung.

00:13:44: Das ist kein Versagen des Systems.

00:13:46: Das is' das System.

00:13:47: Es funktioniert

00:13:48: so.".

00:13:49: Und in diesem Fall bedeutet dieses Funktionieren, dass keine Gerechtigkeit im strafrechtlichen Sinne möglich ist.

00:13:57: Für Jenny und Torben bedeutete die Einstellungsverfügung kein Prozess, keinen Urteil, kein Moment, in dem ein Richter öffentlich sagt das war falsch – das war eine Tat!

00:14:08: Das wird nicht akzeptiert.

00:14:10: Kein Schuldspruch der das Leben des Kindes würdigt nur einen Brief vom Amt, eine geschlossene Akte und die Stille danach.

00:14:20: Kapitel VI Das Internet und seine Urteile.

00:14:27: Es gibt in jedem Kriminalfall der öffentlich wird einen Moment, in dem das Internet übernimmt.

00:14:33: In dem aus kollektiver Trauer kollektives Urteil wird.

00:14:36: In den Menschen die nichts wissen sehr laut werden über das was sie nicht wissen.

00:14:41: Im Fall Emily war es nicht anders Und vielleicht war es schlimmer als in vielen anderen Fällen, weil das Opfer ein Kind war und weil das Bedürfnis nach einer Erklärung – nach einem Schuldigen, nach einem Fehler den man benennen kann – besonders groß war.

00:14:58: In regionalen Facebook-Gruppen explodierte die Diskussion kaum war der Fall bekannt.

00:15:03: Unterstellungen über die Familie.

00:15:05: Fragen, die sich wie Vorwürfe lasen und auch als solche gemeint waren.

00:15:10: Warum war das Kind allein?

00:15:11: Warum hat niemand aufgepasst?

00:15:13: Wer lässt sein Kind zu einem Nachbarn, den man nicht genug kennt.

00:15:16: Wer trägt die

00:15:17: Verantwortung?".

00:15:20: Jenny B., siebenundzwanzig Jahre alt gerade ihr Kind verloren.

00:15:24: selbst in einem Zustand den man sich kaum vorstellen kann las das alles.

00:15:29: Sie beschrieb in späteren Interviews wie sehr diese Diskussionen sie belasteten Wie sie eine zweite Verletzung darstellten Die neben dem Verlust selbst stand wie man gleichzeitig trauern und sich gegen Anklagen verteidigen muss, die aus der Anonymität des Internets kommen und für die niemand Verantwortung übernimmt.

00:15:49: Ich möchte hier sehr klar sein – das Kind war mit Wissen der Eltern in der Garage.

00:15:54: Das bestätigte die Staatsanwaltschaft.

00:15:56: Das ist kein Fall von Vernachlässigung, kein fall von Gleichgültigkeit, keinfall von Eltern, die nicht aufgepasst haben.

00:16:03: Das ist ein Fall von absolutem Vertrauen, das absolut missbraucht wurde.

00:16:08: Eine Situation die im ganzen Land täglich tausendfach ähnlich stattfindet.

00:16:14: Ein Kind beim Nachbarn für ein paar Minuten weil man ihn kennt, weil sie gegensicher ist und es so gemacht hat solange man denken kann.

00:16:24: Dass etwas Schreckliches passierte macht die Eltern nicht schuldig.

00:16:28: Es macht deutlich wie begrenzt unsere Kontrolle über dass ist was andere Menschen tun auch die denen wir vertrauen Besonders die, denen wir vertrauen.

00:16:39: Die Menschen, die hinter ihren Bildschirmen saßen und urteilten haben sich das wahrscheinlich nicht bewusst gemacht.

00:16:44: sie wollten eine Erklärung.

00:16:46: Sie wollten einen Fehler finden der ihnen das Gefühl gibt Das passiert mir nicht weil ich es besser machen würde.

00:16:52: Das ist ein menschlicher Reflex.

00:16:54: er isst verständlich Und er ist trotzdem falsch.

00:17:00: In dem Moment in dem man am verletzlichsten ist ist das Internet am grausamsten.

00:17:07: Kapitel sieben Jenny Trauern und weiterleben.

00:17:16: Im Mai, im Jahr ist es genau ein Jahr nach Emilys Tod, veröffentlichte der Wochenspiegel Kochemzell zwei Artikel über die Familie geschrieben von Journalist Mario Zender.

00:17:28: Sie sind die wichtigste öffentliche Quelle über das was aus Jenny und Torben geworden ist.

00:17:32: sie zeigen zwei Menschen die nicht aufgehört haben zu trauern Und die trotzdem versuchen irgendwie nach vorne zu schauen.

00:17:41: Jenny B war siebenundzwanzig als ihr Kind starb.

00:17:44: Sie besucht das Grab ihrer Tochter regelmäßig.

00:17:47: Sie denkt täglich an Emily, dass ist kein Satz für ein Interview – das ist die Realität ihres Lebens!

00:17:53: Jeden Morgen wenn sie aufwacht, jeden Abend wenn sie schlafen geht.

00:17:58: Das Kinderzimmer ließ sie zunächst unverändert.

00:18:01: Das Lieblingskuscheltier von Emily wurde mit ins Grab gelegt.

00:18:07: Ich halte bei diesem Detail inne einen Kuscheltier, das ins Grab gelegt wird.

00:18:11: Das ist keine Geste für die Öffentlichkeit.

00:18:14: Das ist eine Geste für Emily.

00:18:26: Nach der Tat war Jenny arbeitsunfähig, das wird in einem der Artikel erwähnt fast nebenbei – aber es ist wichtig!

00:18:33: Es ist die körperliche und psychische Realität von Trauma.

00:18:36: Das Gehirn, das versucht mit dem unverarbeitbaren umzugehen… Der Körper, der aufhört zu funktionieren weil er nicht mehr kann?

00:18:44: Arbeitsunfähigkeit nach einem solchen Verlust ist keine Schwäche.

00:18:47: Es ist die normale Reaktion auf das Unnormalste, was einem passieren kann.

00:18:54: Jenny sagte sinngemäß und ich zitiere Sinn gemäß weil ich dir Würde ihrer Worte respektieren möchte man lernt damit zu leben aber vergessen kann man nicht.

00:19:05: dieser Satz könnte banal klingen er isst es nicht.

00:19:08: er ist präzise.

00:19:10: er beschreibt genau dass was Trauerforscher seit Jahrzehnten wissen trauer verschwindet nicht.

00:19:15: sie verändert sich.

00:19:16: Sie wird anders, nicht kleiner.

00:19:18: Man lernt sie mitzutragen ohne von ihr erdrückt zu werden aber sie ist immer da und das ist in Ordnung.

00:19:24: Das ist was es bedeutet jemanden geliebt zu haben.

00:19:29: Man lernet damit zu leben Aber vergessen kann man nicht Satz einer Mutter Ein Jahr nach dem Tod ihrer Tochter.

00:19:53: Dieser Satz steht in jedem Bericht, meist als faktische Information manchmal als implizite Frage.

00:20:00: Ich stelle ihn hierhin um ihn dann beiseite zu schieben weil er für das was zählt keine Rolle spielt.

00:20:08: Torben war der Mann der mit Emily jeden Morgen aufgestanden ist, der mit ihr gefrühstückt hat.

00:20:15: Der abends vielleicht das Licht gelöscht hat in ihrem Zimmer Der sie kannte, nicht als Abstraktum sondern als dieses konkrete Kind das da war.

00:20:23: Das lachte, das quängelte und das Geschwisterchen wollte.

00:20:27: Er liebte sie wie eine eigene Tochter sagt er Und Liebe die gelebt wird ist echter als Biologie die nur auf dem Papier steht.

00:20:37: Torben berichtete dass der Jahrestag, der Mai, der Frühlinge Die langen Nachmittage die nun wieder kommen starke Erinnerungen auslöst.

00:20:46: Das is keine Metapher.

00:20:47: Das Gehirn verknüpft Erlebnisse mit sensorischen Merkmalen.

00:20:51: Licht, Geruch, Temperatur, Jahreszeit.

00:20:54: Wenn diese Merkmale wiederkehren, kommen die Erinnerungen mit – das ist Biologie!

00:20:59: Das ist unvermeidlich.

00:21:01: Jeder Mai wird für Torben und Jenny anders sein als für andere Menschen, weil er immer auch der achte Mai

00:21:06: ist.".

00:21:09: Er erwähnte etwas, dass ich nicht vergesse seit ich es gelesen habe.

00:21:13: Emily hatte sich immer ein Geschwisterchen gewünscht ein dreijähriges Kind, das sich jemanden wünscht mit dem es spielen kann.

00:21:20: Dieser Wunsch ist so konkret und so unschuldig, dass er

00:21:23: wehtut.".

00:21:26: Und dann im Mai, in den Jahren von Jannis erstattet, wurde bekannt, dass Jenny erneut schwanger ist.

00:21:34: Die Familie sprach von Hoffnung – von einem neuen Kapitel!

00:21:38: Und gleichzeitig ohne jeden Zweifel mit vollständiger Klarheit, Emily bleibt Teil ihres Lebens.

00:21:44: Das neue Kind ersetzt niemanden.

00:21:47: Es kommt in eine Familie, in der jemand fehlt.

00:21:49: Und das wird immer so sein!

00:21:53: Dass diese beiden Dinge gleichzeitig wahr sein können, tiefe Trauer und neue Hoffnung ein Verlust, der nicht heilt – und eine Zukunft die trotzdem kommt?

00:22:02: Das ist das Menschlichste an diesem Fall.

00:22:04: Das ist es was bleibt wenn alles andere verblasst.

00:22:09: Emily wünschte sich immer einen Geschwisterchen.

00:22:12: Torben weh Ein Jahr nach ihrem Tod.

00:22:17: Kapitel neun Was das System hätte wissen können.

00:22:24: Wenn ein Fall endet, wenn die Akte geschlossen ist und das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde, dann enden nicht alle Fragen mit ihm.

00:22:32: Manche Fragen beginnen erst dann richtig!

00:22:37: Im Fall Emily stellt sich eine besonders dringlich – war dieser Tod verhinderbar?

00:22:43: Das ist keine Frage der Schuld der Familie.

00:22:46: Die ist eindeutig beantwortet.

00:22:47: Sie trifft keine.

00:22:48: Das ist eine Systemfrage.

00:22:50: Eine Frage an Strukturen.

00:22:52: An Angebote An das, was in einer Region wie dem Landkreis Koch im Zell vorhanden ist oder eben nicht?

00:23:01: Magnus K. war fast fünfzig Jahre alt.

00:23:04: Er lebte allein in der Nachbarschaft.

00:23:06: Im Blut wurde ein hochkonzentrierter Drogenmix festgestellt Ob es in seinem Leben Anzeichen gab die jemand hätte sehen können Verhaltensveränderungen Auffälligkeiten Momente, in denen jemand hätte fragen können Geht es dir gut?

00:23:19: Brauchst du etwas?

00:23:20: Das ist nicht bekannt.

00:23:22: Die Ermittlungen wurden eingestellt, bevor diese Fragen einen Rahmen bekommen konnten.

00:23:28: Aber die strukturellen Realitäten sind bekannt – in ländlichen Regionen wie der Eifel ist die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung signifikant dünner als in Städten.

00:23:40: Wartezeiten auf einem Therapieplatz liegen oft bei Monaten.

00:23:43: Drogenberatungsstellen sind häufig weit entfernt ohne gute Erreichbarkeit für Menschen ohne Auto oder mit eingeschränkter Mobilität.

00:23:51: Die Bereitschaft, sich als Mann im mittleren Alter in einer kleinen Gemeinde Hilfe zu suchen ist oft gering.

00:23:57: Weil man Angst hat das es alle erfahren weil Hilfesuche in bestimmten sozialen Kontexten noch immer als Schwäche gilt.

00:24:07: Das bedeutet nicht dass das System Emilies Tod verursacht hat.

00:24:11: Es bedeutet dass wir uns fragen müssen ob und wo es Punkte gegeben hätte an denen eine andere Entwicklung möglich gewesen wäre.

00:24:18: Das ist keine Schuldzuweisung.

00:24:20: Das ist die einzige produktive Reaktion auf eine Tragödie, die sich nicht rückgängig machen lässt.

00:24:26: Zu fragen was man verändern kann damit es seltener passiert.

00:24:32: Investitionen in psychische Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum Niedrigschwellige Anlaufstellen für Menschen in Krisen Ein gesellschaftliches Klima in dem Hilfesuche keine Schwäche ist.

00:24:44: das sind keine abstrakten politischen Forderungen.

00:24:47: das sind konkrete Möglichkeiten das Leben konkreter Menschen zu verändern.

00:24:53: Die Frage, ob einer dieser Ansätze Magnus K. erreicht hätte – ob es einen Unterschied gemacht hätte kann niemand beantworten.

00:25:01: aber die Frage zu stellen ist das Mindeste was wir tun können für Emily und für alle die nach ihr kommen könnten?

00:25:10: Gerechtigkeit nach der Tat ist das Minimum Was Wir Schulden?

00:25:14: Ist Schutz davor?

00:25:17: Kapitel zehn Die offenen Fragen.

00:25:24: True Crime als Genre lebt von der Auflösung Von dem Moment in dem das Puzzle zusammenkommt In dem der Täter benannt wird, das Motiv erklärt, dass Urteil gesprochen.

00:25:34: Indem man als Hörer aufatmen kann weil es einen Abschluss gibt.

00:25:38: Einen Rahmen eine Geschichte die endet.

00:25:43: Dieser Fall hat keinen solchen Abschluss.

00:25:48: Was genau geschah in den wenigen Minuten in denen Emily und Magnus K allein in dieser Garage waren?

00:25:54: War es ein Unfall?

00:25:55: Ein Moment in dem etwas Schweres fiel oder rutschte Und ein kleines Kind traf Das am falschen Ort zur falschen Zeit stand?

00:26:02: War es Vorsatz?

00:26:03: War Magnus K. in einem Zustand durch Drogen, durch psychische Ausnahmesituationen, durch etwas das wir nicht kennen indem er einem Kind absichtlich schadete?

00:26:14: War es etwas dazwischen ein Kontrollverlust eine Handlung die er selbst im nächsten Moment nicht mehr begreifen konnte?

00:26:23: Wir wissen es nicht!

00:26:26: Der einzige Mensch der es wusste hat entschieden es nicht zu sagen ob diese Entscheidung bewusst war aus einem Bewusstseinszustand herausgetroffen wurde, den wir nicht kennen.

00:26:39: Auch das wissen wir

00:26:40: nicht.".

00:26:43: Die Ermittler haben alles getan was möglich war.

00:26:45: Das Gutachten hat alles geleistet, was die Rechtsmedizin leisten kann.

00:26:49: Die Staatsanwaltschaft hat korrekt gehandelt und am Ende steht ein Wort ungeklärt.

00:26:56: In der Psychologie gibt es den Begriff des ambiguous loss, des mehrdeutigen Verlustes geprägt von der Therapeutin Pauline Boss.

00:27:06: Er beschreibt Situationen, in denen ein Verlust nicht klar abgeschlossen werden kann weil die Geschichte fehlt.

00:27:12: Weil das warum offen bleibt?

00:27:13: Weil der Abschluss nicht kommt.

00:27:16: Jenny und Torben wissen dass Emily gestorben ist.

00:27:19: Sie wissen wie sie wissen wo aber sie wissen nicht warum Und dieses Nichtwissen ist eine eigene zusätzliche nicht abbaubare Form des Leids.

00:27:30: Man kann keine Trauer vollständig abschließen wenn man die Geschichte nicht kennt.

00:27:43: Was in diesen paar Minuten passierte, werden wir nie mit Gewissheit wissen.

00:27:58: Das ist das Grausamste, dass dieser Fall hinterlässt.

00:28:10: Die Gärten blühen im Mai, die Bäume haben ihr volles Laub.

00:28:18: Irgendwo läuft wieder ein Rasenmäher, irgendwo bellt wieder einen Hund.

00:28:22: Der Frühling kehrt zurück wie er es immer tut Gleichgültig und verlässlich zugleich.

00:28:27: Das Leben geht weiter wie es immer tut Aber unter dieser Normalität liegt etwas das sich nicht mehr tilgen lässt Ein dreijähriges Mädchen, dass nichts getan hatte als neugierig zu sein Wie dreijährige Mädchen neugirig sind ist tot Gestorben in einer Garage keine hundert Meter von ihrer Haustür entfernt, in den wenigen Minuten die niemand vorhergesehen hatte wegen eines Mannes, denen die Familie kannte und dem sie vertraute.

00:28:55: Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt – Die Akte ist geschlossen, Magnus K. ist tot.

00:29:01: eine rechtliche Aufarbeitung ein Urteil, ein Schuldspruch das wird es nicht geben.

00:29:05: Das ist das Recht!

00:29:06: Das Recht hat hier getan was es tun konnte und es hat nicht ausreichend sein können weil es nicht ausreichen kann wenn der einzige der Antworten könnte schweigt Was bleibt, ist die Familie.

00:29:19: Jenny, die täglich an ihre Tochter denkt und regelmäßig das Grab besucht.

00:29:24: Torben der im Mai die Erinnerungen kommen spürt und mit ihnen lebt.

00:29:28: Ein Kind, dass unterwegs ist und in eine Familie hineingeboren wird, in der ein Platz leerbleibt – für immer!

00:29:35: Ein Zimmer, das irgendwann verändert werden wird.

00:29:37: Ein Kuscheltier, das im Boden liegt weil es dahin gehört.

00:29:40: Ein Grab, das besucht wird solange jemand da ist, der das tut.

00:29:47: Emily wäre heute vier Jahre alt.

00:29:49: Sie würde vielleicht gerade den Kindergarten entdecken, Freunde finden eine Lieblingsfarbe haben Fragen stellen die keine Antwort haben wie Kinder das tun.

00:29:58: Warum ist der Himmel blau?

00:30:00: Wohin gehen die Wolken?

00:30:02: Wann kommt das Geschwisterchen?

00:30:06: Wir werden nicht wissen was aus ihr geworden wäre Was wir wissen.

00:30:11: sie war da!

00:30:12: Sie hat eine Mutter die sie nicht vergisst und die es jeden Tag beweist einen Mann, der sie liebte wie eine eigene Tochter und es immer noch tut auf einer Art die sich verändert hat aber nicht verschwindet.

00:30:25: Und Sie hatte einen Wunsch ein Geschwisterchen, der auf seine eigene Stille komplizierte schöne und traurige Art in Erfüllung

00:30:32: geht.".

00:30:35: Das war Eifelmord Episode eins.

00:30:38: Wenn euch diese Episode bewegt hat teilt sie sprecht darüber bleibt aufmerksam wir hören uns.

00:30:47: Das Schweigen nach einer Tat ist manchmal lauter als die Tat selbst.

00:30:53: Wenn ihr selbst Trauer- oder psychische Belastungen erlebt, Telefonseelsorge Null Acht, Null Null, Eins Eins Eins, Nulleins Eins Eins.

00:31:03: kostenlos anonym rund um die Uhr für trauere Eltern.

00:31:08: Stiftung Verweiste Eltern und Geschwister in Deutschland eingetragener Verein www.fight.de.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.